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Gezeitensegeln Südbretagne

Gezeitentörn Bretagne

Segeln in der Südbretagne – Gezeitensegeln für Gourmets (von Astrid Zauner)

Vom 25. Juni - 02. Juli 2016 begab ich mich mit einer Gruppe von enthusiatischen SeglerInnen auf einen Übungstörn. Die Aufgabenstellung hierfür erwies sich im Vorfeld jedoch als nicht einfach: Gezeitenrevier, ein Schiff mit Wechselsegeln, gutes Essen, abwechslungsreiche Landausflüge, …

Die Suche nach dem geeigneten Schiff gestaltete sich dabei schwieriger als erwartet, da es kaum noch Vercharterer gibt, die Boote mit Wechselsegeln anbieten; „die Kunden wollen sich die körperliche Arbeit des Segelwechsels nicht antun, daher haben wir vor kurzem alle unsere Boote umgerüstet“. Schön und gut – in einem Revier, wo durchaus mit Starkwind zu rechnen ist, segelt es sich dennoch bequemer mit einem flacheren, kleineren Vorsegel als mit einem durchs Einrollen bauchig gewordener Rollgenua, deren Druckpunkt dann auch noch zu weit vorne liegt und so Segeln hoch am Wind schwierig macht … .

Zugegebenermaßen war unser Charterzeitpunkt etwas suboptimal – er fiel genau in den Zeitraum des britischen „Round The Island Race“, zu dem alle unsere Wunschboote vergeben waren.
Fündig wurden wir schließlich in Crouesty, südwestlich von Vannes. Unsere Wahl fiel auf eine Archambault 40 RC, welche perfekt mit Segeln ausgestattet war: durchgelattetes Groß, Genua, Solent, Sturmfock und Spinnaker. Der Tiefgang von 2m45 war seglerisch natürlich top – für die Gezeitennavigation erforderte er allerdings sehr genaues Rechnen und schloss einige Durchfahrten, Häfen und Ankerplätze völlig aus.

Einige von uns sind und waren bereits des öfteren auf Rennbooten unterwegs und so fühlte sich das Bootsinnere sehr komfortabel an. Für diejenigen von uns, die vor allem Urlaubstörns und Regatten auf Charterbooten skippern, war das „nackte Innere“ des Bootes erstmal ein kleiner Schock.

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Crouesty ist der perfekte Ausgangsort für Törns in die Baie de Quiberon und in den Golfe du Morbihan. Das Gebiet bietet alles, was man zum Üben braucht: starke Strömungen im Golfe du Morbihan, guten Wind und wenig Welle in der Baie de Quiberon und die atlantische Dünung gleich westlich von Belle-Île … und jede Menge Untiefen. Vor allem aber gutes Essen – so wurde der Törn bald zu einem eindeutigen Gourmettörn – denn nicht nur die Restaurants an Land waren hervorragend, dank unserer beiden Hobbyköche auch die Küche an Bord.

Unser erster Schlag, auf dem wir unterwegs Mannöver, Segelwechsel und Bootshandling übten, führte uns zur wunderschönen Insel Houat. Mit dem Beiboot landeten wir am einsamen Sandstrand der Insel, die zu einem ausgiebigen Abendspaziergang durch die blühenden Wiesen einlud.

Anchließend fuhren wir mit einem exaktem Zeitplan durch den Fluss Vilaine, denn auch Schleusen durfte auf so einem Törn natürlich nicht fehlen. Wir hatten jeweils nur ein kurzes Zeitfenster, um über all die trockenfallenden Stellen zu kommen und die Schleuse zu ihrer Öffnungszeit zu erreichen. Ein normaler Cruiser mit weniger Tiefgang hätte die Navigation an diesem Tag dann doch etwas einfacher gemacht.
In der Schleuse informierte uns der Skipper des Nachbarbootes: „You have to listen to this guy“ (er meinte den Schleusenwärter). Unser Rudergänger antwortete: „I don’t speak French“, woraufhin unser Nachbar entgegnete: „Anyway, you have to listen“. Alles klar … - wir gehorchten und wurden geschleust. Hinter der Schleuse erwartete uns stilles Gewässer und wir motorten entlang von saftigen Wiesen und grünen Wäldern ins historische Städtchen La Roche Bernard.

Wieder in der Baie de Quiberon segelten wir nach Le Palais auf Belle-Île, wo wir mit Bug- und Heckleine an jeweils einer Boje festmachten; praktisch bei hohem Tidenhub. Unser Ziel an Land war die beeindruckende Festung – der Fischmarkt unterwegs faszinierte uns jedoch fast noch mehr – was zu einem erfolgreichen Kochabend an Bord führte.

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Der nächste Tag stand im Sinne des Segelns – bei wechselnden Winden zwischen 15 und 30 kn fuhren wir auf die Westseite der Insel, um den Unterschied zwischen dem geschützten Revier der letzten Tage und dem offenen Atlantik zu spüren – der Tag der 1001 Wenden, Halsen und Segelwechsel.

Tags darauf wollten wir unbedingt in den Golfe du Morbihan. Sagenhafte 8 bis 9 kn erreichen die starken Tidenströme in Springzeiten. Einfahrt ist nur bei Flut, Ausfahrt nur bei Ebbe möglich … und diese Zeiten liegen innerhalb weniger Meilen um bis zu 2 Stunden auseinander! Es war der einzige Tag, an dem die Uhrzeit passte – wir wollten schließlich nicht nachts durch das stärkste Gezeitengewässer Europas fahren. Der Strom schiebt, gurgelt und kreiselt in Strudeln. Er zerrt an den Fahrwassertonnen und zeigt dort seine ganze Kraft – sie stehen schräg im Wasser; das Wasser kabbelt, als toben Fischschwärme unter der Oberfläche. Es ist wie Wildwasserfahren mit dem Segelboot – beeindruckend!
Da wir mit unserem Boot nicht trockenfallen konnten, war eine Übernachtung im Golfe du Morbihan nicht möglich. Wir entschieden uns, den letzten Abend in La Trinité sur Mer zu verbringen, um die riesigen Renntrimarane, die jeden Tag an uns vorbeizischten, aus der Nähe zu betrachten.

Abschließend ging es bei 15-25 kn Wind raumschots unter Spinnaker zurück nach Crouesty  – der perfekte Abschlusstag.


Der Gezeitenübungstörn 2017 findet vom 17. - 24. Juni 2017 in der Bretagne statt.

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